Dipl. Psych. Doris Reile
Psychotherapiepraxis

 

 

 

 

 

 

 

 
Borderline - Entstehung der Störung

Die biosoziale Theorie nach M. Linehan postuliert eine Störung der Emotionsregulation als das zentrale Problem der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Es wird angenommen, dass die Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen durch eine Veranlagung und Umweltbedingungen sowie deren Wechselwirkung während der (kindlichen) Entwicklung entsteht. Dieser Theorie nach haben Menschen mit einer Borderline-Störung Schwierigkeiten mit der Steuerung verschiedener, wenn nicht aller Gefühle.

Aufgrund hoher Verletzbarkeit und ungünstiger Strategien entstehen vor allem Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen Die Betroffenen haben den Umgang mit ihren Gefühlen nicht richtig lernen können, weil dies ihnen in einem gleichfalls ungenügenden Umfeld nicht ausreichend vermittelt werden konnte. Linehan verwendet für diesen Mangel an Einfühlsamkeit und Sensibilität oder in schlimmen Fällen, wie bei sexuellem Missbrauch, völlige Verleugnung und Missachtung der Bedürfnisse und Gefühle des Betroffenen, den Begriff "invalidieren". Invalidieren bedeutet eigentlich ungültig machen und in diesem Zusammenhang am ehesten die Gefühle des Betroffenen nicht ausreichend würdigen, ernst nehmen, missachten, verdrehen.

Solch eine invalidierende Umgebung trägt zur emotionalen Dysregulation bei, indem sie versäumt, dem Kind beizubringen, wie es Erregung benennen und regulieren und emotionale Spannungen aushalten kann. Weiterhin hat das Kind so nicht die Möglichkeit, zu lernen, sich auf seine eigenen Gefühle zu verlassen und diesen zu vertrauen, dass diese Gefühle angemessen und passend sind.

In der invalidierenden Umgebung muss das Kind ständig nach Hinweisen suchen, wie es zu handeln, und zu fühlen hat, und lernt so schließlich seine eigenen Erfahrungen selbst zu invalidieren. Es entfernt sich damit aber immer mehr von seiner eigenständigen Wahrnehmung seiner Gefühle und überlässt es immer mehr anderen, seine Gefühle und Wahrnehmung zu benennen.

Hierzu Betroffene wie sie selber ihre Identitätsstörung beschreiben: "Ich kann mir mein eigenes ‚Ich' nicht glauben. Ich möchte das endlich sein können. Aber spätestens, sobald ein anderer Mensch da ist, verlier´ ich die Verbindung zu mir. Als ob die geballte Gegenwart eines anderen Menschen dieses ‚Ich' sofort sich auflösen oder zurückziehen lässt. Und dann habe ich wieder nur das Gefühl zu spielen, getrennt zu sein, riesige Distanzen und Wände durchdringen zu müssen- und der andere ist irgendwie eine Übermacht.
Warum kann ich mir nicht trauen, glauben? Warum weiß ich nie, was echt ist, was wahr ist? Ständig ist es so, als wäre ich lauter verschiedene ‚Ichs'. Oder mehrere in mir... aber keines ist wirklich. Weil vieles, was ich mir vorstelle, was ich vielleicht tun möchte, nur in der Fantasie besteht. Oft, während ich alleine bin, bin ich ständig mit solchen Gedanken beschäftigt,... um eigentlich eine Leere zu verbergen.
Ich lebe so, als müsste ich ständig mein eigenes Dasein, meine Stabilität, neu erschaffen oder aufrechterhalten, neu ausdenken. Wie wenn man einen Damm, der laufend umspült und abgetragen wird, ständig aufrechterhalten, absichern muss."

Und das Gefühl fehlender Autonomie drücken Betroffene wie folgt aus: "Kein ‚Kern-Ich'; lauter andere, die mein Gehirn benutzen; kein Zugriff auf irgendwelche Fähigkeiten; aufgesplittet; bin ich ohne ein menschliches Gegenüber (in der Fantasie), auch selbst nicht da. Eigentlich fühle ich mich ständig von innen und von außen bedroht."

 

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